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Klettersteige Alpin

Anreisetag Samstag, 21.08.2021 Klettersteig Col Rodella (Steighöhe 115 Hm, Gesamthöhe 340 Hm)

Wegen verkehrsbedingter langwieriger Anreise („Stop and Go“ ab Brenner bis Sellajoch) erreichten alle Fahrgemeinschaften, manche waren schon um 2:30 Uhr in der Nacht gestartet, erst am späten Nachmittag die Unterkunft. Das hielt jedoch unseren Ausbildungsleiter Paul nicht davon ab die gesamte Truppe, noch vor dem Bezug der Zimmer, auf den Berg zu jagen. Schuhe an, Klettersteigset in den Rucksack und los.

Die Ouvertüre der Klettersteigwoche fand spät nachmittags am Klettersteig Col Rodella statt. Der kurze, aber abwechslungsreiche Steig bereitete den Mitgliedern nicht nur Freude, sondern brachte ihnen gleich eine gesunde Farbe ins Gesicht. Pünktlich zu Abendessen waren wir natürlich zurück (ungeduscht, jedoch ein Ankommenbier getrunken).

Nach dem Abendessen wies uns Paul, bei einer kurzen Besprechung in die Herangehensweise der weiteren Tourenplanungen ein.

Jeweils 2 Teilnehmer sollten die für den nächsten Tag ausgesuchte Tour ausarbeiten und im Klettersteig leiten.

Paul stand natürlich als „Chefdirigent“ für Hilfestellung und Anregungen stets bereit.

 

 

1.Tag Sonntag, 22.08.2021 Via Ferrate dei Finanzieri am Colac (530 Hm, 720 Hm)

Abfahrt 8:00 Uhr PKW-Transfer Richtung Fassatal, nach Canazei zur Seilbahn Ciampac. Ein langer „Gondelzustieg“ führte und uns zur Bergstation.

Dann, nach kurzem Fußmarsch, Einstieg in die Via Ferrata. Mit kleinen Tritten und auf Reibung stiegen wir auf. Der ein oder andere spürte hin schon am ersten Tag kleine Konditionsdefizite. Am Gipfelkreuz angekommen, natürlich ein erstes Gipfelfoto der Truppe und wunderschöne Aussichten auf Langkofel und Marmolada. Auf dem Abstieg kurzer Aufenthalt an einem Biwak mit „herausragender Toilettenanlage“.

Nach ca. 4 ½ Stunden Auf- und Abstieg auf dieser tollen Klettersteigtour folgte die Rückfahrt mit der Seilbahn nach Canazei.

Transfer mit dem DAV-Bus, auf kurvenreicher Strecke zurück zum Sellajoch und zum gemütliches Zusammensein im Refugio. Wie jeden Abend ein wunderschönes 3 Gänge Menü aus der Küche der Valentini Hütte.

 

 

2. Tag Montag 23.08.2021 Via Ferrata delle Trincee, La Mesola, La Mesolina (380 Hm, 670 Hm)

 PKW-Transfer zum Fédaiasee (am Fuß der Marmolada). Zu Fuß ging die Truppen hinauf bis zum Einstig des Klettersteiges. Ein sehr schöner griffiger Klettersteig aus dunklem Vulkangestein in der Porta Vescovo liegt vor uns. Nach kurzem steilem Beginn, ein echt böser Einstieg, folgte eine wunderbare Tour mit schöne Etappen, über einen Grad, später sogar ein Weg durch zwei Felsentunnel und immer mit besten Aussichten auf den Marmoladagletscher. Stellenweise führte der Steig zu Stellungen und durch Stollen aus dem ersten Weltkrieg.

 Ein hervorragender Fotograf (Janos) und ein Model (Petra) nutzen dieses wunderbare Panorama für atemberaubende Shootings 🙂

 
 

3. Tag Dienstag, 24.08.2021 Pisciadue-Klettersteig (530 Hm, 650 Hm),  Pößnecker- Klettersteig (660 Hm, 1040 Hm)

 Heute fand eine Aufteilung in zwei Gruppen statt. Die eine Gruppe machte sich auf den Weg zum Pößnecker, die andere Gruppe ging zum Pisciadue, der meist begangene Klettersteig der Dolomiten. Er wurde seinem Ruf auch an diesem Tag gerecht. Nach zügigem Beginn wurde aus Klettern „langwieriges Rumstehen“ mit kurzen Klettereinlagen. Es war eine riesengroße Truppe vor uns, die einfach nicht voran kam. Aufgrund der langen Pausen hatten alle Kletterer Zeit die tolle Aussicht (Sassongher, Grödnerjoch, Alta Badia usw.) zu genießen. Nach ca. der Hälfte des Aufstieges entschlossen wir uns den „Fluchtweg“ = Notausstieg zur Pisciadue-Hütte zu nehmen.

 Nach kurzem Hüttenaufenthalt erfolgte der Auf- und Abstieg zum Cima Pisciadue (2985 m).

 Die „Pößnecker-Gruppe“ bestehend aus Paul, Uwe, Jörg, Petra und Ausbilder Paul Pütz nahem die Herausforderung des ältesten Klettersteigs in den Dolomiten an. Zu Fuß konnte die Truppe direkt von der Valentini Hütte zu Einstieg gehen. Der Klettersteig, der 3 Stunden steil hinauf führte war schon sehr anspruchsvoll, sehr steil und teilweise grimmig. Da kam schon das eine oder andere „Nordwandgesicht“ zum Vorschein. Atemnot und Schweiß waren ebenfalls dabei. Oben angekommen, überwältigte uns der Blick über den Sella Stock, imposanter kann es kaum am Gran Canon sein. Über den Piz Selva (2920) und dem Piz Miara (2900) führte unser Weg hin zur Pisciadue-Hütte, wo wir auf die andern Teilnehmer trafen.

 Der gemeinsamer Abstieg aller Kursteilnehmer durch das Val Setus zum Parkplatz beendete diesen besonderen Klettersteigtag.

 
 

4. Tag Mittwoch 25.08.2021 Klettersteig Col Rodella, Plus Kleine und Große Cirspitze (80 Hm, 400 Hm, 108 Hm, 480 Hm)

Ruhetag, nein Danke; Auf Wunsch der Teilnehmer wurde der Vormittag am Col Rodella-Steig zur Ausbildung genutzt. Die Leitung je einer Gruppe übernahmen Paul und  sein Aspirant Janos.

Es erfolgte Einweisungen zum Verhalten in Notsituationen (u. a. Einrichtung eines Standplatzes, Aufbau eines Flaschenzuges, Abseilen und Sichern). Der starke Paul Pütz demonstrierte wir er alleine und mit eigener Kraft, über einen Flaschenzug, die Petra den Berg hochzog, das war war schon anstrengend.

Nach einer kurzer Mittagspause im Refugio Rodella gab es einen Transfer zum Grödnerjoch. Der Tag war noch jung, da kann man doch noch was machen.

 
 

5. Tag Donnerstag, 26.08.2021 Klettersteig Piz Boé – Cesare Piazzetta (320 Hm, 950 Hm)

Transfer zum Pordoijoch. Ein recht langer und steiler Zustieg zum Klettersteig am Fuße des Sellastocks. Hier kam nun eine echte Herausforderung auf die Teilnehmer zu. „Jeder darf probieren, der ein Klettersteigset dabei hat“, sagte Paul. Es gab auch welche, die es gleich zu Hause gelassen haben. Unser Aspirant, Janos, stand an einer ausgezeichneten Stelle um uns, im Falle eines Abbruchs wieder sicher abzuseilen. Mit seiner ruhigen und professionellen Art vermittelte er und Sicherheit in allen Lagen, sind sie noch so steil.

So, hier waren nun die steilsten Klettersteigstellen der gesamten Tour. Die Herzen schlugen bis zum Hals, bei fast jedem! Wir wollten ja Herausforderungen, oder?

Es war ein sehr schwieriger Einstieg an einer knackigen, trittlosen Steilwand, da wurde auch schon mal der Rasthaken benutzt. 4 Teilnehmer schafften es und kletterten wie die Gämse hinauf. Nach 5:30 Stunden war das Ziel erreicht, die Refigio Capanna Fiz Fassa auf dem Piz Boé (3152 m). Die restlichen Mitglieder wanderten auf einem leichteren Weg ebenfalls zum Piz Boé. Wieder zusammen, gab es Suppe und alkoholfreies Weizenbier zur Belohnung, das tat gut.

Nach kurze Rast auf der Refigio Capanna Fiz Fassa. ging es zum Abstieg zur Forcella Pordoi und weiter durch das Geröllfeld der  „Pordoi-Scharte“  zum PKW am Pass Pordoi.

 
 

6. Tag Freitag, 27.08.2021 Via Eterna (650 Hm, 1150 Hm)

 Zum Abschluss der Klettersteigwoche bei bestem Wetter ging es auf den „unendlichen“ Klettersteig, in umgekehrter Richtung, von der Mittelstation der Marmoladaseilbahn zum Fédaiasee. Über die Grate der Punta Serauta im Auf und Ab bis zur plattigen Abstiegskletterei und dann zur abschließenden steilen Rinne oberhalb des Fédaiasees.

 
 

Abreisetag Samstag, 28.08.2021

Die Unterkunft Refugio Valentini verwöhnte uns während des gesamten Aufenthaltes täglich mit gutem Frühstück und hervorragendem, mehr gängigem Abendmenü.

Die Ausbilder waren immer gut gelaunt und wir profitierten von ihren Erfahrungen und ihren Geschichten.

Insgesamt hatten wir eine, manchmal anstrengende, aber erlebnisreiche Woche in den Dolomiten, bei tagsüber meist sehr guten Wetterbedingungen. Regenkleidung war fast überflüssig. Gewitter und Starkregen kamen wenn, nur spät nachmittags und nachts („Wir hatten ja gebucht“).

Alle Teilnehmer kamen unbeschadet von dieser spannenden und faszinierenden Kletterei zurück.